Sonntag, 11. Oktober 2015

Typisch deutsch?

Was man in den letzten Wochen und Monaten gelesen hat, regt schwer zum Nachdenken an. Ich schreibe hier nun meine Gedanken nieder.

Über Leben, Einstellung und Vergangenheit.

Quelle: sueddeutsch.de('
Ich bin kein Fachmann, in Fragen Politik, Asylrecht oder überhaupt jemand, der täglich das Welt-geschehen verfolgt oder morgens bei Kaffee und Marmeladenbrot seine Zeitung liest und das regionale eintönige Radio hört. Doch in letzter Zeit wurde mir dies zum Verhängnis, da ich viel recherchieren musste um überhaupt handfest zu argumentieren. 
Das hat mich viel Zeit gekostet um letztendlich in sozialen Netz-werken „alleine“ gegen Hunderte zu stehen und als „Gutmensch“ abgestempelt zu werden.

Eine kleine Story aus meinem Leben
Ich war auf einer Gartenfeier eines bekannten. Im Verlauf des Abends traf ich auf eine bis dahin unbekannte Person, als ich am Lagerfeuer saß. Wir unterhielten uns über dies und das - und wie es halt so ist natürlich auch über Menschen und deren Einstellungen.
Ich berichtete ihn als über meine Müdigkeit, jeden Tag aufs Neue gegen Bildungsresistente Asylgegner in sozialen Netzwerken anzukämpfen. Er lachte und sagte mir den Satz, der meine Einstellung etwas in eine andere Richtung lenkte.

„Warum machst du denn so was? Du gibst denen doch nur noch mehr Stoff sich da rein zu steigern.“

Ich will nicht sagen, dass ich seitdem keinen Beitrag mehr kommentiert habe, es hat sich jedoch sehr gemindert.  Im Endeffekt haben die Leute ihre Einstellung und ihre vorgefasste Meinung über andere und die lässt sich leider virtuell nicht so schnell ändern. So habe ich mich mehr darauf spezialisiert, mit Menschen in meinem nahen bis weiten Umfeld Dialog zu führen und sachlich Meinungen auszutauschen. Die Erfolgsquote war deutlich höher.

Aber zu sozialen Netzwerken und deren Möglichkeiten gibt es natürlich noch viel zu erzählen.

Die schnelle Kommunikation in sozialen Netzwerken hat sehr viele Vorteile. Man kann Menschen mobilisieren und schnell auf Projekte aufmerksam machen, deren Unterstützung in kurzen Zeiträumen eine rege Teilnahme erfordert. Doch das alles hat auch seine Schattenseiten.
Ich verweise gerne auf vergangenes Jahr zurück, in dem die „Ice-Bucket-Challenge“ auf die Knochenkrankheit ALS aufmerksam machte. Wie ein Lauffeuer brannte dieser Trend durchs Netz und das Ergebnis war mehr als erfreulich. Über 1,3 Millionen wurden an die Deutsche Gesellschaft für Muskelkranke e.V. gespendet – und das ist der Beitrag der Deutschen.

Auch ich habe ein Video gemacht und es hochgeladen und einen bescheidenen Beitrag von
10,-€ gespendet. Freunde sind mitgezogen und haben auch anderweitig gespendet, zum Beispiel an die Deutsche Krebshilfe. Man kann also schon sagen, dass sich diese Aktion gelohnt hat.

Doch was ist übrig geblieben?  (Die zuvor erwähnte Schattenseite)
Über ALS redet gefühlt niemand mehr, obwohl die Krankheit bislang nicht Heilbar und nicht aus der Welt ist. Übrig geblieben ist: „Ice-Bucket-Challenge“. Drei Wörter die uns an Eimer, Eis und Wasser und einen Sommer voller Videos auf Facebook erinnern. Die Krankheit an sich ist ja kein Thema mehr
Dies ist nur ein Beispiel und man kann es mit vielen anderen Ereignissen vergleichen.
Ich werfe nun ein paar Worte in den Raum und Sie denken darüber nach, ob Sie etwas damit verbinden.

H5N1, 9/11, Haiti, BSE, Vogelgrippe, Finanzkrise, NSA-Skandal, Abhörskandal, Guttenberg

Haben Sie bei einem oder mehreren Begriffen folgendes oder ähnliches festgestellt: „Oha, da war ja was.“ oder „Mensch das habe ich ja schon ganz vergessen“ oder „Dass man so was vergisst, sollte einem doch peinlich sein.“

Sie haben es nicht unbedingt vergessen, Sie denken nur nicht aktiv oder häufiger daran, vielleicht wollen Sie es auch gar nicht mehr hören, weil es die Medien rauf und runter spielen, bis die nächste Katastrophe, der nächste Skandal oder die nächste Seuche eintrifft. (kurze Anmerkung: Die Boeing 777 Flugnummer MH370 mit 239 Menschen (!!!) an Bord ist meines Wissens noch nicht wieder aufgetaucht. Aber das sollte sich ja leicht recherchieren lassen?)
Ich kann Sie beruhigen, das ist ganz typisch für Menschen. Wir verdrängen Sachen, die unangenehm sind, genau wie schlechte Ereignisse – das ist Wissenschaftlich belegt. 

Man erinnert sich nicht zwangsläufig an das Ereignis, sondern mehr um den Rummel drum herum. An Tage, in denen nichts anderes mehr zu sehen war außer Laufbalken mit Countern für Tote auf jedem Sender.

Diese Ereignisse sind im deklarativen Gedächtnis gespeichert, werden ungerne herausgeholt. Mit Signalwörtern, die damals mit dem Ereignis verknüpft wurden werden Sie wieder ins Gedächtnis gerufen.  
Wenn ich „Führer“ sage, haben alle denselben Gedanken. Und obwohl ich mit keiner Silbe den zweiten Weltkrieg oder jegliche Diktaturen angesprochen habe, denken viele – wenn nicht sogar die meisten an Adolf Hitler. Aber das nur nebenbei.

Was mich persönlich sehr aufregt, ist das Wort „Flüchtling“
Sobald etwas in der Welt geschieht, was auf längere Sicht wohl ein großes Thema der Medien sein wird, wird direkt eine Phrase oder ein Wort gesucht um dies am besten zu beschreiben. Ein viraler, optional leichtgängiger Begriff, welcher das gesamte Thema im besten Fall etwas ausschmückt und schönt, die besten Beispiele im Moment: VW-Skandal oder Flüchtlingskrise.
Es gibt viele Worte für die Menschen, die in diesen Tagen erschöpft unser Land erreichen, „Heimatvertriebene“, „Aussiedler“, „Immigranten“ oder auch „Asylanten“. Doch die meisten vergessen den wohl einfachsten Begriff: „Menschen“. Das Wort „Flüchtling“ klingt in meinen Ohren mittlerweile schon richtig abfällig und suggeriert dem „Wutbürger“ einen Menschen 2ter oder 3ter Klasse, der unser Land einnimmt und unser Geld, unsere Jobs und unsere Frauen Wegnehmen will -und das mit teuren Handys und Klamotten.

Wie Jan Böhmermann in seiner Sendung „ZDFneo MAGAZIN ROYALE“ sagte, klingt Heimatvertriebene, obwohl es gleichbedeutend ist, viel besser und sagt viel mehr über die Menschen aus, die ihre Heimat eigentlich nie verlassen wollten sondern mehr gezwungen sind in ein anderes Land auszuwandern und dort folgenden Menschen begegnen zu müssen. Ich für meinen Teil greife lieber auf dieses Wort zurück, wenn ich denn schon solche Begriffe für Menschen in Leid nutzen muss.

Soziale Hetze
Ich lese Kommentare die weit unter die Gürtellinie schlagen. Wortvergewaltigungen. Parolen die runtergeleiert werden und immer wieder Wörter (wie z.B.  „Flüchtling“) die zu Begriffen werden, die einen vergessen lassen worum es wirklich geht. „Gutmenschen“ oder „besorgte Bürger“, sobald jemand zu sozial oder zu patriotisch denkt wird er einem der Begriffe zugeordnet.
Meine Erfahrung hat gezeigt, dass sich gerade Menschen mit weniger Bildung oder einer Rechtschreibschwäche gegen Ankommende aufplustern. Dass Ärzte, Krankenschwestern, Polizisten, Doktoren, Professoren oder Fachpersonal (das sind nur Beispiele, gerne auch Köche, Facilitymanager oder Reinigungsfachangestellte) unter den Vertriebenen sind, die teilweise einen viel höheren Bildungsgrad haben vergessen dabei die meisten. Selbst wenn der Bildungsgrad nicht höher ist, können diese Menschen hier ihren Teil nach erfolgreicher Aufnahme in Deutschland irgendwann leisten.  Wer Geld bekommt, gibt es auch aus – und das ist gut für die Wirtschaft.

Wenn Sie solche Kommentare nicht kennen, oder das Ausmaß unterschätzen gebe ich ihnen verweise ich Sie auf die Seite von Perlen ausFreital.

Sie können nun frei entscheiden wie Sie zukünftig handeln und denken. (Das konnten Sie natürlich vorher auch schon ;-))

Abschließend kann ich sagen...
…viele Menschen denken nicht mehr nach - zumindest habe ich dieses Gefühl. Auf der einen Seite sind Sie spendabel und fürsorglich, auf der anderen Seite grausame Hassprediger die soziale Netzwerke verschmutzen - und einen Fragen lassen, ob und welche Art von Schulbildung und Erziehung Sie wohl erfahren haben müssen - sobald die „Gefahr“ in unmittelbarer Nähe ist. Gegen die Grundeinstellung solcher Menschen anzukommen und ihnen eine vernünftige Haltung beizubringen ist erheblich schwerer als es theoretisch klingt. Ich für meinen Teil möchte mich zumindest strikt von Extremen fernhalten und behalte eine - meiner Meinung nach - gesunde Einstellung zum Thema.

Denn eines ist klar. Asyl ist ein Grundrecht und kein Mensch ist Illegal.


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Fotografie von sueddeutsche.de
'' http://polpix.sueddeutsche.com/bild/1.2148994.1411749014/860x860/fluechtlinge-adressen-muenchen.jpg

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