Was man in den letzten Wochen und Monaten gelesen hat, regt
schwer zum Nachdenken an. Ich schreibe
hier nun meine Gedanken nieder.
Über Leben, Einstellung und Vergangenheit.
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| Quelle: sueddeutsch.de(' |
Ich bin kein Fachmann, in Fragen Politik, Asylrecht oder
überhaupt jemand, der täglich das Welt-geschehen verfolgt oder morgens bei
Kaffee und Marmeladenbrot seine Zeitung liest und das regionale eintönige Radio
hört. Doch in letzter Zeit wurde mir dies zum Verhängnis, da ich viel
recherchieren musste um überhaupt handfest zu argumentieren.
Das hat mich
viel Zeit gekostet um letztendlich in sozialen Netz-werken „alleine“ gegen
Hunderte zu stehen und als „Gutmensch“ abgestempelt zu werden.
Eine kleine Story aus
meinem Leben
Ich war auf einer Gartenfeier eines bekannten. Im Verlauf
des Abends traf ich auf eine bis dahin unbekannte Person, als ich am Lagerfeuer
saß. Wir unterhielten uns über dies und das - und wie es halt so ist natürlich
auch über Menschen und deren Einstellungen.
Ich berichtete ihn als über meine Müdigkeit, jeden Tag aufs
Neue gegen Bildungsresistente Asylgegner in sozialen Netzwerken anzukämpfen. Er
lachte und sagte mir den Satz, der meine Einstellung etwas in eine andere
Richtung lenkte.
„Warum machst du denn
so was? Du gibst denen doch nur noch mehr Stoff sich da rein zu steigern.“
Ich will nicht sagen, dass ich seitdem keinen Beitrag mehr
kommentiert habe, es hat sich jedoch sehr gemindert. Im Endeffekt haben die Leute ihre Einstellung
und ihre vorgefasste Meinung über andere und die lässt sich leider virtuell
nicht so schnell ändern. So habe ich mich mehr darauf spezialisiert, mit Menschen
in meinem nahen bis weiten Umfeld Dialog zu führen und sachlich Meinungen auszutauschen.
Die Erfolgsquote war deutlich höher.
Aber zu sozialen Netzwerken
und deren Möglichkeiten gibt es
natürlich noch viel zu erzählen.
Die schnelle Kommunikation in sozialen Netzwerken hat sehr
viele Vorteile. Man kann Menschen mobilisieren und schnell auf Projekte
aufmerksam machen, deren Unterstützung in kurzen Zeiträumen eine rege Teilnahme
erfordert. Doch das alles hat auch seine Schattenseiten.
Ich verweise gerne auf vergangenes Jahr zurück, in dem die „Ice-Bucket-Challenge“
auf die Knochenkrankheit ALS aufmerksam machte. Wie ein Lauffeuer brannte
dieser Trend durchs Netz und das Ergebnis war mehr als erfreulich. Über 1,3
Millionen wurden an die Deutsche Gesellschaft für Muskelkranke e.V. gespendet –
und das ist der Beitrag der Deutschen.
Auch ich habe ein Video gemacht und es hochgeladen und einen
bescheidenen Beitrag von
10,-€ gespendet. Freunde sind mitgezogen und haben
auch anderweitig gespendet, zum Beispiel an die Deutsche Krebshilfe. Man kann
also schon sagen, dass sich diese Aktion gelohnt hat.
Doch was ist übrig
geblieben? (Die zuvor erwähnte
Schattenseite)
Über ALS redet gefühlt niemand mehr, obwohl die Krankheit
bislang nicht Heilbar und nicht aus der Welt ist. Übrig geblieben ist: „Ice-Bucket-Challenge“.
Drei Wörter die uns an Eimer, Eis und Wasser und einen Sommer voller Videos auf
Facebook erinnern. Die Krankheit an sich ist ja kein Thema mehr
Dies ist nur ein Beispiel und man kann es mit vielen anderen Ereignissen vergleichen.
Ich
werfe nun ein paar Worte in den Raum und Sie denken darüber nach, ob Sie etwas
damit verbinden.
H5N1, 9/11, Haiti,
BSE, Vogelgrippe, Finanzkrise, NSA-Skandal, Abhörskandal, Guttenberg
Haben Sie bei einem oder mehreren Begriffen folgendes oder
ähnliches festgestellt: „Oha, da war ja was.“ oder „Mensch das habe ich ja
schon ganz vergessen“ oder „Dass man so was vergisst, sollte einem doch
peinlich sein.“
Sie haben es nicht unbedingt vergessen, Sie denken nur nicht
aktiv oder häufiger daran, vielleicht wollen Sie es auch gar nicht mehr hören,
weil es die Medien rauf und runter spielen, bis die nächste Katastrophe, der
nächste Skandal oder die nächste Seuche eintrifft. (kurze Anmerkung: Die Boeing 777 Flugnummer MH370 mit 239 Menschen (!!!)
an Bord ist meines Wissens noch nicht wieder aufgetaucht. Aber das sollte sich
ja leicht recherchieren lassen?)
Ich kann Sie beruhigen, das ist ganz typisch für Menschen. Wir
verdrängen Sachen, die unangenehm sind, genau wie schlechte Ereignisse – das ist
Wissenschaftlich belegt.
Man erinnert sich nicht zwangsläufig an das Ereignis, sondern mehr um den Rummel drum herum. An Tage, in denen nichts anderes mehr zu sehen war außer Laufbalken mit Countern für Tote auf jedem Sender.
Diese Ereignisse sind im deklarativen Gedächtnis
gespeichert, werden ungerne herausgeholt. Mit Signalwörtern, die damals mit dem
Ereignis verknüpft wurden werden Sie wieder ins Gedächtnis gerufen.
Wenn ich „Führer“ sage, haben alle denselben Gedanken. Und
obwohl ich mit keiner Silbe den zweiten Weltkrieg oder jegliche Diktaturen angesprochen
habe, denken viele – wenn nicht sogar die meisten an Adolf Hitler. Aber das nur nebenbei.
Was mich persönlich
sehr aufregt, ist das Wort „Flüchtling“
Sobald etwas in der Welt geschieht, was auf längere Sicht
wohl ein großes Thema der Medien sein wird, wird direkt eine Phrase oder ein
Wort gesucht um dies am besten zu beschreiben. Ein viraler, optional leichtgängiger
Begriff, welcher das gesamte Thema im besten Fall etwas ausschmückt und schönt,
die besten Beispiele im Moment: VW-Skandal oder Flüchtlingskrise.
Es gibt viele Worte für die Menschen, die in diesen Tagen erschöpft
unser Land erreichen, „Heimatvertriebene“, „Aussiedler“, „Immigranten“ oder
auch „Asylanten“. Doch die meisten vergessen den wohl einfachsten Begriff: „Menschen“.
Das Wort „Flüchtling“ klingt in meinen Ohren mittlerweile schon richtig abfällig
und suggeriert dem „Wutbürger“ einen Menschen 2ter oder 3ter Klasse, der unser
Land einnimmt und unser Geld, unsere Jobs und unsere Frauen Wegnehmen will -und
das mit teuren Handys und Klamotten.
Wie Jan Böhmermann in seiner Sendung „
ZDFneo MAGAZIN ROYALE“
sagte, klingt Heimatvertriebene, obwohl es gleichbedeutend ist, viel besser und
sagt viel mehr über die Menschen aus, die ihre Heimat eigentlich nie verlassen
wollten sondern mehr gezwungen sind in ein anderes Land auszuwandern und dort
folgenden Menschen begegnen zu müssen. Ich für meinen Teil greife lieber auf
dieses Wort zurück, wenn ich denn schon solche Begriffe für Menschen in Leid
nutzen muss.
Ich lese Kommentare die weit unter die Gürtellinie schlagen.
Wortvergewaltigungen. Parolen die runtergeleiert werden und immer wieder Wörter
(wie z.B. „Flüchtling“) die zu Begriffen
werden, die einen vergessen lassen worum es wirklich geht. „Gutmenschen“ oder „besorgte
Bürger“, sobald jemand zu sozial oder zu patriotisch denkt wird er einem der Begriffe
zugeordnet.
Meine Erfahrung hat gezeigt, dass sich gerade Menschen mit
weniger Bildung oder einer Rechtschreibschwäche gegen Ankommende aufplustern.
Dass Ärzte, Krankenschwestern, Polizisten, Doktoren, Professoren oder Fachpersonal
(das sind nur Beispiele, gerne auch Köche, Facilitymanager oder
Reinigungsfachangestellte) unter den Vertriebenen sind, die teilweise einen
viel höheren Bildungsgrad haben vergessen dabei die meisten. Selbst wenn der
Bildungsgrad nicht höher ist, können diese Menschen hier ihren Teil nach
erfolgreicher Aufnahme in Deutschland irgendwann leisten. Wer Geld bekommt, gibt es auch aus – und das
ist gut für die Wirtschaft.
Wenn Sie solche Kommentare nicht kennen, oder das Ausmaß
unterschätzen gebe ich ihnen verweise ich Sie auf die Seite von
Perlen ausFreital.
Sie können nun frei entscheiden wie Sie zukünftig handeln
und denken. (Das konnten Sie natürlich vorher auch schon ;-))
Abschließend kann ich
sagen...
…viele Menschen denken nicht mehr nach - zumindest habe ich
dieses Gefühl. Auf der einen Seite sind Sie spendabel und fürsorglich, auf der
anderen Seite grausame Hassprediger die soziale Netzwerke verschmutzen - und
einen Fragen lassen, ob und welche Art von Schulbildung und Erziehung Sie wohl
erfahren haben müssen - sobald die „Gefahr“ in unmittelbarer Nähe ist. Gegen die
Grundeinstellung solcher Menschen anzukommen und ihnen eine vernünftige Haltung
beizubringen ist erheblich schwerer als es theoretisch klingt. Ich für meinen
Teil möchte mich zumindest strikt von Extremen fernhalten und behalte eine - meiner Meinung nach - gesunde Einstellung zum Thema.
Denn eines ist klar. Asyl ist ein Grundrecht und kein Mensch
ist Illegal.
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Fotografie von sueddeutsche.de
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